Pferdeausbildung



Text: Alex. Faulhaber 2011 (Vorstand des Vereins bis 2016 t )


Um den Ausbildungsbetrieb vorzustellen, möchte ich an dieser Stelle einen Aufsatz  einfügen, den ich 1999 für das Satzungsheft zum 25-jährigen Be-stehen des RFVÖ geschrieben habe:

Schon 1980 erkannte der damalige erste Vorsitzende Hermann Rausch, dass eine sinnvolle Reiter- und Pferdeausbildung nur unter professioneller Regie möglich ist und die Attraktivität des Stalles durch die Betreuung eines ständig anwesenden Berufsreiters deutlich erhöht wird.

Auf der Suche nach einem geeigneten Stallmeister und Ausbilder stieß er auf Karl Stadler, der gerade seine Bereiterlehre bei Roland Janson abge-schlossen hatte.

Karl Stadler wurde mit der Leitung des RFVÖ – Reit- und Stallbetriebes betraut.

Die Rechnung von Hermann Rausch ging auf – innerhalb kurzer Zeit waren die RFVÖ-Boxen belegt.

In seiner dreizehnjährigen Tätigkeit beim RFVÖ förderte Karl Stadler vorwiegend junge Dressurreiter und –pferde.

1994 übernahm er dann die Leitung des Vereinsbetriebes in seiner Heimatgemeinde Kirrlach, wo er inzwischen auch wieder lebte.

Nach anfänglich heftigen Diskussionen, ob die RFVÖ-Anlage wieder durch einen Profi betreut werden soll, konnten sich die beiden damaligen Vorsitzenden Matthias Rothermel und Alex. Faulhaber mit ihrer Auffassung durchsetzen, dass es, wolle man weiterhin qualifizierte Pferdebetreuung und fachlich fundierten Reitunterricht anbieten, wichtig sei, den Betrieb auch weiterhin von einem Berufsreiter führen zu lassen.

Matthias Rothermel lud die ihm persönlich bekannte Kerstin Markheiser, ausgebildete Pferdewirtin (Zucht u. Haltung / Betrieb Schweckhorst, Bereiterin / Landestrainer Streng), zu einem Vorstellungsgespräch und einer Probereitstunde ein. Danach waren auch die wankelmütigen Vor-standsmitglieder überzeugt; es konnte der einstimmige Beschluss gefasst werden, Kerstin Markheiser die Leitung des RFVÖ-Betriebes zu über-tragen.

Erklärte Ziele waren                                 

- eine optimierte Betreuung der Einstellerpferde 

- individueller Reitunterricht für Jedermann

Um diese Ziele zu realisieren wurde zunächst das vorhandene Lehrpferd gegen ein geeignetes ausgetauscht und drei weitere in den Schulbetrieb eingebracht.

Darüber hinaus kamen immer wieder Kerstin Markheiser‘s (heute Faulhaber) Turnierpferde zum Einsatz, wenn dies beispielsweise im Rahmen eines Reitabzeichenlehrganges geboten war.

Um die Anfängerausbildung zu forcieren wurden über den Pferdesport-verband Südbaden und den Badischen Sportbund Fachübungsleiter (C-Trainer-Lizenz) ausgebildet und geeignete Aktive mit der Erteilung von Anfängerunterricht betraut.

Das Ausbilderteam bestand damals aus Kerstin Markheiser (heute Faulhaber /Ausbildungs-leiterin), Alex. Faulhaber (FÜL), Monika Hornung (FÜL), Uli Beißmann (FÜL), Tanja Wöhrle (FÜL), Miranda Maßfeller, Manuela Causevic, Stefanie Betz, Lea Faulhaber und Sonja Missner.

Der Anfängerunterricht wurde so flexibel umgestaltet, dass jeder neue Reitschüler einem ständigen Lehrpferde- und Ausbilderwechsel unter-worfen war und somit nahezu alle persönlichen Vorbehalte und Unzulänglichkeiten abgefangen werden konnten.

Die Reitschüler waren von dieser Lösung begeistert – profitieren von ihr – waren schneller in den Fortgeschrittenenunterricht zu integrieren.

Der Fortgeschrittenenunterricht wurde ausschließlich von Kerstin Markheiser (heute Faulhaber) gehalten.

Sie legt gesteigerten Wert auf eine vielseitige Reiter- und Pferdeausbildung – das Stundenangebot umfasst in ausgewogenem Maß Dressur- und Springstunden, die, von wenigen Ausnahmefällen abgesehen, mit höchstens sechs Reitern belegt sind.

Ihr Unterricht basiert auf der klassischen Reitlehre (Lieblingsbuch „Gymnasium des Pferdes“, Steinbrecht), wird aber immer wieder von Aspekten aus „Feldenkrais-Methode“ (Sode), „Chiron“ (Rolf Becher), Ismakogie (Seidel/Prockl), „Mentales Training“ (Wolfgang Hölzel) oder „TTEAM“ (Linda Tellington-Jones) ergänzt.

Ihr wichtigstes Ziel ist die solide Grundausbildung von Pferd und Reiter. Zitate von ihr hierzu:

Herunterriegeln hat mit durch’s Genick gehen nichts zu tun!“

oder

Sei doch nicht damit zufrieden, dass dein Pferd die Rübe runterhängt

und auf der Vorhand daherlatscht!“

oder

Erst den Motor in Gang bringen bevor du beizäumst.

Du kannst vorne nur abfangen was du hinten reintreibst!“

oder

Das Bein muss reiten, nicht die Hand!“

Neben den Reitstunden bietet Kerstin Markheiser (heute Faulhaber) auch alljährlich Lehrgänge zum Erwerb der Reitabzeichen, des Reiterpasses, des kleinen und großen Hufeisens an.

Bei entsprechender Resonanz werden Lehrgänge mit hochqualifizierten „Fremdausbildern“ wie bspw. Hauke Luther, Karlheinz Schwab, Hans-Joachim Klaar  organisiert, die sie dann auch selbst mitreitet.

Ihre Berittpferde arbeitet sie in enger Absprache mit den Besitzern, um keinerlei Zweifel an Möglichkeiten und Grenzen des Berittes und den Erwartungen entstehen zu lassen.

Die Ausbildungsleiterin / Stallmeisterin ist satzungsgemäß Mitglied der RFVÖ-Vorstandschaft, wodurch eine enge Vereinsanbindung und das Einfließen ihres Fachwissens und ihrer Erfahrung in das Vereins-management gewährleistet sind.“

Acht Jahre später heißt die Ausbildungsleiterin Kerstin Faulhaber und ist mit mir verheiratet. Aus Transparenzgründen wurde der Ausbildungs-betrieb vom Verein ausgegliedert. Kerstin arbeitet mit ihrem Betrieb für den Verein. Die Lehrpferde sind in ihrem Besitz und werden von ihr unterhalten.

Beim Anfängerunterricht wird sie von Veronique Reich und Jasmin Ampssler unterstützt. Es finden täglich Dressurstunden, mittwochs und samstags Springstunden, auf Wunsch auch Geländereitstunden statt. Lehrgänge zu den diversen Abzeichen im Pferdesport werden nach Bedarf angeboten.

Kerstin hat Dressur-, Spring- und Barockpferde in Beritt.

Als Stallmeisterin ist Kerstin darüber hinaus für das Wohlergehen der Pferde und die Bewirtschaftung der Reitanlage verantwortlich.

In den letzten Jahren haben wir uns verstärkt mit der klassischen Pferde- und Reiterausbildung beschäftigt und hier den Schwerpunkt auf die Doma Vaquera, die spanische Gebrauchsreiterei, gelegt. Es ist für mich immer wieder faszinierend, mit wie viel Auffassungsgabe Kerstin beispielsweise einen Rafael Soto mit der Garrocha oder Fermin Bohorquez beim Rejoneo beobachten, die gewonnenen Erkenntnisse verinnerlichen, aber auch beschreiben und somit vermitteln und gefühlvoll auf dem Pferd umsetzen kann.

Denen, die mir gegenüber Kerstin Befangenheit unterstellen, halte ich entgegen, dass sich keiner mehr als ich mit der Technik und der Kunst des Reitens auseinandersetzt, Fragen stellt, auch Anweisungen hinterfragt und damit Wissen und Können seiner Reitlehrerin immer wieder auf die Probe stellt. Deshalb erlaube ich mir abschließend die Feststellung:

Der damalige erste Vorsitzende des RFVÖ, Matthias Rothermel, hat mit der Einstellung von Kerstin eine gute, zukunftsträchtige Entscheidung getroffen.

Nach siebzehnjähriger Tätigkeit haben wir eine so vielseitige Reitlehrerin, dass alle reiterlichen Probleme eine Lösung finden, unsere Pferde in ihr eine Stimme haben und sie den RFVÖ als „ihren“ Verein betrachtet und betreut.