Feria



Geschichte der Feria


(Text: Alex. Faulhaber 2011 (Vorstand des Vereins bis 2016 t ) 

Entstehungsgeschichte der Feria del Caballo y Tapas 

Als kleiner Junge – ich ritt damals Ponies – träumte ich immer von einem spanischen Hengst. Dieser Traum holte mich bei einem Spanienurlaub wieder ein. Ich ging mit meinen beiden Kindern reiten. Fasziniert von den Pferden und der spanischen Land-schaft gelang es mir beim nächsten Besuch, den Stallbesitzer dazu zu überreden am späten Abend mit uns verbotener Weise am Strand entlang zu galoppieren.

In Deutschland zurück war der Entschluss gefallen, wieder ein eigenes Pferd zu kaufen. Ich begann mich intensiver mit spanischen Pferden und Kultur zu befassen.

Leider musste ich feststellen, dass zu dieser Zeit spanische Pferde Mangelware waren. In Spanien war die Pferdepest ausgebrochen und somit durften keine Tiere exportiert werden. Die fünf Verkaufspferde, die auf dem deutschen Markt waren, waren weit überteuert.

Ich kaufte ein deutsches Warmblut. Über unsere sportlich orientierte Reiterei war mein spanischer Traum schnell in Vergessenheit geraten.

Weltreiterspiele 2002 – Jerez de la Frontera, wir entschlossen uns den Urlaub in Andalusien zu verbringen. Wir sahen aber nicht nur Springsport der Spitzenklasse und lagen am Meer – wir besuchten die königlich spanische Hofreitschule, sahen einen berittenen Stierkampf und gaben uns unter Zitronenbäumen der Tapas- und Fino-Kultur hin. Wir wohnten in einem Hotel, in dem sich ein Restaurant befand, in dem Fisch und Fleisch auf wunderbare Art landestypisch zubereitet wurden.

Mein Küchen-Geist wurde nachhaltig iberisch geprägt.

Reiterlich hatte ich mich immer noch dem Springsport verschrieben, ritt vorwie-gend meinen 1,83 Meter großen Oldenburger Schimmel Levitation, der inzwischen von meiner Frau so gut ausgebildet worden war, dass sogar mir das Dressurreiten Spaß machte. Anfang 2004 zog sich dieses Pferd in seiner Box eine irreparable Knochenabsplitterung zu. Unter diesem Eindruck dachte ich einige Zeit darüber nach, diesen Sport aufzugeben.

Dann holte mich mein Kindheitstraum wieder ein. Ich besorgte mir alle verfügbaren Informationen über spanische Pferde, Züchter, Händler, Equipment und Literatur zum „spanisch“ reiten. Gleichzeitig begannen wir, bei den deutschen Züchtern spanischer Pferde Verkaufspferde zu besichtigen.

Die abenteuerliche Geschichte über den Versuch ein in Deutschland gezüchtetes spanisches Pferd zu kaufen werde ich gesondert niederschreiben, um hier nicht zu weit auszuschweifen.

Im Juli 2004 war es dann so weit. Nach dem wir in halb Deutschland etwa zweihundert Pferde besichtigt hatten, fanden wir bei einem Händler – Uwe Peters – einen dreijährigen PRE-Hengst, der erst vor wenigen Tagen von Sevilla nach Neckarbischofsheim gekommen war. Da ihm unser Tierarzt Dr. Jörg Becker hervorragende Gesundheit bescheinigte, war der Kauf perfekt.

Dichoso zog in den RFVÖ-Stall ein.

Mit dem Reiten dieses Pferdes wuchs in uns, vor allem auch in Kerstin, meiner Frau, der Wunsch noch mehr über spanische Pferde zu lernen.

Wir flogen im Mai 2005 zur Feria del Caballo nach Jerez de la Frontera. Es war faszinierend. Neben der eigentlichen Feria fanden die Zuchtschauen des Züchterverbandes ANCCE und die nationale Doma Vaquera Meisterschaft statt.

Da diese Veranstaltungen meist erst gegen Mittag begannen, fanden wir auch die Zeit uns zwei Mal die Morgenarbeit an der königlich spanischen Hofreitschule anzusehen und an einer Nachtshow teilzunehmen, bei der Rafael Soto eine atemberaubende Garrocha-Einlage zeigte.

Aber auch der berittene Stierkampf fand wieder seinen Platz in unserem Terminkalender. Wie vor drei Jahren bestach ganz besonders Fermin Bohorquez durch seine feine, dennoch überaus dynamische Reiterei.

Auf dem eigentlichen Feria-Festplatz, einem Meer aus Blumen und bunten Lichtern, tummelten sich zwischen Tausenden Spaniern in Landestracht Hunderte Kutschen und Reiter. In schätzungsweise dreihundert aufgebauten Tapas-Bars wurde gegessen, getrunken, getanzt und gelacht.

In mir entstand erstmals der Wunsch, diese Atmosphäre auf unserer Reitanlage entstehen zu lassen, aber auch die Frage, ob dies mit deutschem Publikum über-haupt möglich sei.

Im Juli 2006 besuchten wir die Feria auf dem Deschenhof in Ruppertshofen. Natürlich nicht mit Spanien zu vergleichen, aber gutes Programm. Unter anderem erstes deutsches Doma Vaquera Turnier, leider nur neun Teilnehmer. Das Tapas-Flair fehlte vollkommen – es gab Paella und ansonsten Grillbetrieb. Bernhard Rothermel hatte mit Velos am Turnier teilgenommen. Im abendlichen Gespräch stellte auch er sich die Frage, ob eine ähnliche Veranstaltung auch in Östringen durchführbar wäre.

Im Oktober 2006 waren wir auf der Feria Andaluz auf dem Lengelshof in Ratingen.

Ähnlich gutes Programm aber Tapas-Variationen mit Liebe zum Detail.

Wir fassten den Entschluss der RFVÖ-Vorstandschaft den Vorschlag zu unter-breiten, ein ähnliches Fest auf unserer Reitanlage durchzuführen, fanden prompt Zustimmung und - noch besser – mit Sandra und Andreas Reddemann, Silke und Jörg Leichenich, Annette und Hartmut Reich drei Ehepaare, die sich sofort mit der Idee identifizierten, diese Veranstaltung zu ihrem spanischen Pferdefest machten. Dazu stießen Bernhard Rothermel und seine Lebensgefährtin Michaela. Die Feria del Caballo y Tapas war geboren.

Wir waren uns schnell darüber einig, dass wir keine bekannte Veranstaltung kopieren, sondern unsere Feria veranstalten wollten. Keine hochkarätigen, teuren Show-Einlagen, dafür Feria-Reiten – sehen und gesehen werden, essen, trinken, Freunde treffen. Jedermann sollte die Möglichkeit haben, sich und sein Pferd zu präsentieren. „Ferias – Ausdruck spanischer Lebenslust“ überschreibt Katharina von der Leyen dieses Kapitel ihres Buches „Das spanische Pferd“. Sie formuliert weiter: „ Spätestens auf der Feria del Caballo in Jerez beginnt man als Fremder Spanien zu lieben, Andalusien zu lieben, das Vergnügen der Andalusier an heimatlichem Brauchtum, ihre überschwängliche Lebenslust und schweigsame Ernsthaftigkeit.“

Darüber hinaus sollte ein Rahmen entstehen, der auch Nichtreitern das Feria-Flair vermitteln kann. Flamenco, Kastagnetten, Sherry, Brandy, Ochsenspieß und natürlich Tapas in vielfältigen Variationen – von Gambas, Serrano-Schinken, Manchego, Gazpacho bis Oliven.

 

Auch im siebten Jahr sind wir stolz darauf, dieses für die Region einmalige Fest durchführen zu können. Das ist einem kleinen Verein nur möglich, wenn alle Mitglieder bereit sind sich einzubringen und es darüber hinaus gelingt professionelle Hilfe, wie bspw. durch die Firmen „Wein und Kunst“, Metzgerei Fessler, Bäckerei Junghans und Getränke Dutzi zu erfahren.

Aber auch Tänzerinnen wie Montse Garcia, Dr. Spillers spanische Musik und nicht zuletzt die Feria-Reiterinnen und –Reiter tragen maßgeblich zum Gelingen einer solchen Veranstaltung bei.

 

Allen Beteiligten, auch den nichtgenannten, sei an dieser Stelle herzlichst gedankt.